Wenn man Miro sieht, kann man ihn nur schwer einschätzen. Wie alt er ist, was er macht, woher er kommt. Aber eins erkennt man auf den ersten Blick: Er hat etwas zu erzählen.

Miroslav Jakeš. Foto: Roman Schätzen wĂĽrde man den Mann mit dem schlohweiĂźen Haar und dem verschmitzten Grinsen auf Mitte fĂĽnfzig – genauer wird man es nicht erfahren. Statt hochmoderner Outdoor-Markenkleidung mit Hightech-Membran trägt er eine Strickjacke mit vielen bunten Aufnähern. In seiner Nähe riecht es immer etwas nach Tankstelle – eine Benzindusche ist seine Antwort fĂĽr die Frage „Und was ist mit den Eisbären?“. Der Treibstoff-Duft soll seinen eigenen ĂĽberdecken, Eisbären so gar nicht erst anlocken. Es hört sich nach Wahnsinn im Endstadium an, scheint aber zu funktionieren, schlieĂźlich sitzt er mit am Tisch, erzählt Anekdoten und plaudert aus dem Nähkästchen. Mit seinen Geschichten macht er jeden interessierten Zuhörer neidisch. Denn Miro hat Orte besucht, die vermutlich nicht einmal jeder hundertste Arktis-Besucher gesehen, geschweige denn betreten hat. Ăśber 40 Mal war Miro bereits am Nordpol. Zu FuĂź oder mit Skiern. Alleine und in Gruppen. Häufiger als Expeditionsleiter, seltener als Teilnehmer.

Den ersten Kontakt mit der Arktis hatte der Tscheche im Jahr 1995. Damals hat er eine Expedition in die Arktis unternommen. Startpunkt: Spitzbergen. Seitdem hat ihn das Arktis-Fieber gepackt. Und das braucht er nicht zu sagen, man sieht es ihm an: Das Strahlen in seinen Augen, der sehnsĂĽchtige Blick ĂĽber den Fjord in Richtung Berge, in Richtung Gletscher.

Seit 15 Jahren unternimmt Miro Expeditionen durchs Eis. Zumeist von Longyearbyen aus. Dort steht auch sein Überseecontainer, den er nur „mein Lager“ nennt – und jeder, der ihn einmal getroffen hat, weiß, dass es sein Zuhause ist. Er lebt darin.
Seine Gitarre nimmt Miroslav auch mit zum Nordpol. Foto: Roman Wenn Miro gerade nicht auf Spitzbergen ist, findet man ihn auf Island, Grönland oder in Kanada. Seine Heimat Tschechien sieht er nur selten. Und auch darum, womit er seine Zeit verbringt und Geld verdient, wenn er gerade keine Expedition vorbereitet oder in der Arktis unterwegs ist, macht er ein Geheimnis. Reiseleiter sei er. Und wechselt das Thema.

Ein Mann, den das Arktis-Fieber gepackt hat. Danach gefragt, ob es nach 15 Jahren und so vielen Expeditionen langweilig wird, lacht er nur. Man hat sogar ein wenig das Gefühl, er lacht einen aus. Wie man bloß auf eine solch absurde Idee komme. „Die Arktis ändert sich jeden Tag. Jede Stunde. Jede Minute.“ Das Packeis ist in ständiger Bewegung, langweilig wird es also nie: Wo gestern noch ein breiter Kanal die Weiterreise beendet hat, kann heute eine feste Eisschicht einen Tagesschnitt von 20 Kilometern in der Stunde ermöglichen. Routen-Planung im Voraus? Unnötig. Überflüssig. Das Eis ändert alles. In der Arktis bestimmt die Natur die Spielregeln.

Miro lebt seinen Traum. Er ist zum Abenteurer geboren und er lebt das Abenteuer. Jeden Tag. Nur einen großen Traum hat er noch: Einmal am Südpol stehen. Warum er noch nicht dort war? Er lässt den Kopf sinken, sein aufgewecktes Lächeln weicht dem Blick eines traurigen Kindes: „Money, money…“, sagt er.

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